Fahrzeugübernahme & erste Schritte

Übernahme auf dem Frigo-Suisse Areal

Im Frühjahr 2012 taten sich Adrian Keller und Lucas Gross zusammen und übernahmen das Fahrzeug, im Hinblick darauf, später vielleicht eine Projektplattform zu realisieren. Saurer-Experte und LKW-Mechaniker Hans Staub schätzte für sie ein, dass es machbar wäre, das stillstehende Objekt wieder in Gang zu bekommen. Original-Ton von Hans: «Wenni nid scho eine hätt, würd’ en neh.»

Das alte Postauto stand auf dem Frigo-Suisse Areal in Basel, als Luc und Adrian es jeder für sich besichtigen gingen. Ehemalige Studienkontakte (Vielen Dank, lieber Moritz!) hatten die beiden darauf aufmerksam gemacht. Der Verkäufer war ebenfalls aus dem Studienumfeld. Der äussere Fahrzeugzustand, ohne erprobte Fahrtüchtigkeit, machte klar: das gibt einiges an Arbeit. Gut zwei Jahre hatte die alte Dame namens Klara draussen gestanden. Augenscheinlich auch vom Vandalismus geprägt. Einschätzungen von zugezogenen Experten (Vielen Dank, lieber Hans!) ergaben dennoch ein positives Urteil. Wenig Rost, guter Zustand für knapp vierzig Jahre auf dem Buckel, sichtbar neue Stossdämpfer, neue Kühlerschläuche etc.

Alleine mochte sich allerdings weder Adrian noch Luc ins Abenteuer stürzen. Zu zweit schien es aber machbar. Eine kurze Besprechung im Da Francesca besiegelte ihre Absicht. Sogleich stand die erste Tat an: die Stadt wollte den wild geparkten Bus weg haben. Von nun an organisatorisch unter Zugzwang. Der Verkäufer war schon über alle Berge, auch ohne Geld und ohne Kaufvertrag.

Es folgte eine fliessende Übernahme vom Verkäufer. Schlüssel hatten wir, dafür auch die Stadtverwaltung im Nacken. Ohne Motor, keine Fahrt. Der Motor ging nämlich nicht, Batterien waren leer, neue mussten her. Keine definitive Übernahme, ohne dass der Motor getestet werden konnte, dies die Devise. Erste Kosten entstehen, der kleine Zeh war von da an in der Tür. Doch dann lief der Motor plötzlich. Und ging auch fast nicht mehr aus. Schliesslich wussten wir nicht wie bedienen.

Der Standort Aktienmühle hatte viele Vorteile, allerdings auch einen entscheidenden Nachteil: «Klara» ragte zu einem Drittel aus dem Gebäude heraus. Die Arbeit musste jeweils zwischen Ende Oktober und Anfang März infolge Kälte eingestellt werden. Erst im Winter 2014/15 konnte in der Industrie Hagenau erstmals auch in der kalten Jahreszeit gearbeitet werden.

Fahrt zur Aktienmühle

In der Folge setzen die beiden Initianten alles daran, das Fahrzeug wieder starten zu können. Mit einer Garagennummer und neuen Starterbatterien begann das Abenteuer. Sie fuhren das Fahrzeug in die alte LKW-Werkstatt der Aktienmühle in Kleinhüningen. Zu Beginn wuchs die Liste der offenen Punkte zu einem unüberblickbaren Dickicht an; den Durchblick zwischen sich beissenden Abhängigkeiten zu behalten, war die grösste Schwierigkeit.

In der Aktienmühle fand Luc anschliessend ein erstes Zuhause, auch wenn die alte Werkgarage rund vier Meter zu kurz war. Mit 40km/h tuckerte Luc das Fahrzeug quer durch die Stadt. Die Bremsen hielten. Schneller war die Kiste nicht auf der Strasse. Irgendwie erfreulich, dass die Fahrt klappte. Aber auch viel Unsicherheit, woran die reduzierte Geschwindigkeit liegen könnte.

Später konnte der Grund für die langsame Fortbewegung eruiert werden: die Motorenbremse war konstant auf halber Stufe eingeschalten, so dass der Motor nur die halbe Leistung erbrachte.

An einzelnen Samstagen und Sonntagen begannen Adrian und Luc mit der Arbeit. Im Sommer darauf das erste Mal einen Monat lang mit Freunden zusammen durchgearbeitet. Rückbau der bestehenden Installation. Scherben weggeräumt, Sitzbänke und Tischchen entfernt, defekte Teile wie z. B. Spiegel abmontiert und für die Suche nach Ersatz bereitgelegt. Handläufe, Vorhangschienen, Regenrinnen wurden abgenommen, tausende von Nieten aufgebohrt, Abdeckungen fielen wie Blätter vom Stamm. Untenrum Motor und Getriebe gewaschen.

Gemächlich nehmen wir Kenntnis von den tausend Elementen. Die offensichtlichen Problemzonen (eingerostete Teile, Rost an einzelnen tragenenden Chassis-Elementen, ein Dieselleck, Druckluftlecks) wurden nach und nach sicht- oder hörbar. Die Liste der benötigten Ersatzteile wurde richtig lang: neue Scheiben, neue Spiegel, beschädigte Dachluken, Scheibenwischer defekt, eine Handpumpe für die Dieselzufuhr, neue Reifen. Nicht vergessen darf man die in Pasteltöne gehaltene Karosserie, welche mit ihren ulkigen Figürchen gar nicht im Interesse der neuen Besitzer war und da und dort mit Rost versehen war.

Nach der ersten Euphorie begann die schwierige Suche nach Ersatzteilen, nach Lösungen. Wer hilft uns weiter? Unablässiges Anklopfen bei Firmen und Kontakten. Oft die gleichen schnippischen Absagen: sowas haben wir nicht, sowas machen wir nicht. Oder dann für Zehntausende von Franken.

Bei der Schweissanlage ein Lichtblick. Luc konnte eine Schweissanlage ausleihen. Gängige Maschinen und Handwerkzeuge haben Adrian und Luc aus ihrem Umfeld ausgeliehen oder gekauft. Das Abenteuer kann beginnen.